08.03.2026 | Vor sechs Jahren haben die Kolleginnen und Kollegen der Entwicklungsabteilung bei thyssenkrupp Presta Dynamic Components ein spannendes Zukunftsprodukt entwickelt, das hohes Potenzial für die Zukunft des Unternehmens hat. Der Betriebsrat will sich für eine zukünftige Serienproduktion in unserer Region einsetzen. Aber auch Ideen wie die Betreuung von schulpflichtigen Kindern der Beschäftigten in den Sommerferien, sind auf der Agenda. Ein Interview mit Uwe Saupe, Betriebsratsvorsitzender und Anja Beyer, Betriebsrätin bei thyssenkrupp Presta Dynamic Components Chemnitz.
Bevor es los geht: Was macht ihr bei thyssenkrupp Presta Dynamic Components Chemnitz?
Anja: Bei thyssenkrupp Presta Dynamic Components Chemnitz GmbH arbeiten rund 300 Beschäftigte. Rund 70 Kolleginnen und Kollegen arbeiten in der Forschung und Entwicklung. Wir stellen Nockenwellen im Bereich Verbrenner-Technologie für viele OEMs im PKW- und LKW-Segment her.
Uwe: Da die Absatzzahlen bei Verbrennungsmotoren aktuell steigen, sind wir momentan sehr gut ausgelastet. Es gibt wenige Unternehmen, die auch Nockenwellen für LKWs produzieren. Aus diesem Grund haben wir ein größeres Zeitfenster bis zur Umstellung auf Elektromobilität und sind auch mit unserem Transformationsprodukt gut für die Zukunft aufgestellt.
Unsere Forschung und Entwicklung hat schon vor sechs Jahren damit begonnen, ein Zukunftsprodukt zu entwickeln: den elektrischen Kältemittelverdichter (eKMV). Der Kältemittelverdichter ist eine wichtige Komponente im Fahrzeug, welche die Temperatur im Innenbereich reguliert. Dieser wird mit CO2 betrieben, ist umweltfreundlich und bildet ein hohes Leistungsspektrum ab. Die Produktion soll im Europäischen Ausland stattfinden…. wir als Betriebsrat kämpfen aber auch darum, zumindest eine Kleinserien-Produktion hier in der Region zu fokussieren.
Wann wählt ihr? Wie viele Kandidierende stellen sich zur Wahl?
Anja: Wir wählen ein 9-er Gremium am 11. März 2026. Insgesamt kandidieren bei uns 18 Kolleginnen und Kollegen. Es wird eine Persönlichkeitswahl.
Welche Themen werden im Betrieb aktuell diskutiert?
Anja: Eines meiner Themen ist die wertschätzende Kommunikation im Betrieb. Das Thema Belastbarkeit der Mitarbeitenden wird viel diskutiert. Je mehr wir optimieren, desto mehr wird dem Menschen abverlangt. Daher müssen wir darauf aufpassen, dass es keine Überlastungen gibt. Arbeitsschutz ist auch ein sehr wichtiges Thema in unserem Unternehmen. In unseren Betriebsratssitzungen diskutieren wir die Themen immer sehr intensiv und lösungsorientiert miteinander.
Uwe: Unser Betriebsratsteam ist breit aufgestellt, so dass wir Informationen aus allen Bereichen haben. Jeder ist in seinem Bereich aktiv und kümmert sich um die Leute. Als Betriebsratsvorsitzender habe ich natürlich neben den wichtigen Standortthemen auch die Themen im Konzern und in der Gewerkschaft im Fokus. Unsere Kolleginnen und Kollegen diskutieren derzeit vor allem Themen des Konzerns, also Umstrukturierungen und Digitalisierungsprojekte. Das ist an unserem Standort in Chemnitz nicht so extrem spürbar, da wir schon sehr lange, sehr schlank aufgestellt sind. Aber es beschäftigt natürlich alle.
Ihr habt etwas Besonderes vor: Kinderbetreuung für Schulkinder für zwei Wochen im Sommer anzubieten. Wie ist der Stand der Dinge?
Uwe: In unserem Hauptwerk in Ilsenburg wird das schon seit vier Jahren angeboten. Tatsächlich kam die Idee auch von der Geschäftsführung. Organisatorisch bedeutet das viel Arbeit und wir haben zum Start ein Orga-Team gegründet, welches in die Planung und Organisation gestartet ist. Noch haben sich nicht so viele Kolleginnen und Kollegen angemeldet. Aber auch für sechs, sieben Kinder lohnt es sich.
Anja: Die Beschäftigten finden die Idee sehr gut. Leider haben schon viele ihre Kinder in den Sommerferien für dieses Jahr verplant. Mir war klar, dass es beim ersten Mal weniger Kinder sein werden, aber wir sammeln wichtige Erfahrungen und hoffen nach einem gelungenen Start auf positives Feedback.
Uwe: Wir haben schon coole Ideen, was wir alles mit den Kindern unternehmen werden. Sie werden auch eine Menge lernen können und das eine oder andere spannende Abenteuer erleben dürfen.
Welche Erfolge habt ihr als Betriebsratsteam in den letzten vier Jahren erreicht?
Uwe: Die schrittweise Einführung der 35-Stundenwoche ist ein Meilenstein. Die letzte Verhandlung dazu ging bis 2 Uhr morgens. Das war nicht einfach. Wir senken jedes Jahr eine halbe Stunde ab und sind jetzt bei der 36,5-Stundenwoche. Natürlich müssen die Kolleginnen und Kollegen auch ihren Teil in Form von einer Kompensationsleistung dazu beitragen. Für die Bildungszeit in Sachsen haben wir uns auch sehr stark gemacht. Die drei Tage Bildungsurlaub ab 2027 sind ein guter Anfang. Wir sind ein Streik-Betrieb und haben uns in Tarifrunden regelmäßig an Warnstreiks beteiligt.
Anja: Wir haben einige gute Betriebsvereinbarung auf den Weg gebracht. Nennen möchte ich hier zum Beispiel die Betriebsvereinbarungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zu Urlaubsregelungen, zum Konfliktmanagement, zur Einführung von diversen IT-Tools, bei denen wir als Mitbestimmung viele Punkte beachten und regeln müssen.
Uwe: Anja befindet sich aktuell in der Ausbildung als Konfliktmanagerin, da wir in der Vergangenheit den Bedarf dafür erkannt haben. Unser Arbeitgeber hat den Bedarf dafür ebenfalls erkannt und finanziert die umfangreiche Ausbildung. Wir werden in den nächsten Jahren sicherlich gut damit arbeiten können. ….
Wie unterstützt euch die IG Metall?
Uwe: Als Ortsvorstandsmitglied und Mitglied der Tarifkommission weiß ich zu 1000 Prozent, dass ohne die IG Metall viele Sachen hier nicht möglich wären.
Warum kandidiert ihr wieder für den Betriebsrat?
Anja: Ich kandidiere erneut als Betriebsrätin, weil zufriedene Beschäftigte die Basis für ein starkes und erfolgreiches Unternehmen sind. Ich stehe für wertschätzende Kommunikation, Mitbestimmung und dafür, dass jede Stimme gehört wird. Davon profitiert die Menschen im Betrieb und damit auch das Unternehmen.
Uwe: Ich kandidiere wieder, weil ich mir weitere 4 Jahre als Betriebsratsvorsitzender, aber auch als Betriebsratsmitglied vorstellen kann und noch offene Themen weiter voranbringen möchte. Ich stehe für Transparenz und dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbarer gemacht werden und dass die Stimmen aller Beschäftigten konsequent eingebunden werden. Wichtig ist mir ein respektvolles Miteinander für eine Kultur, in der alle wertschätzend und auf Augenhöhe miteinander umgehen. Ich setze mich natürlich für faire Arbeitsbedingungen und für flexible Lösungen ein, weil individuelle Lebenssituationen berücksichtigt werden müssen.
Hintergrund:
Bei thyssenkrupp Presta Dynamic Components Chemnitz GmbH arbeiten rund 300 Beschäftigte. Rund 70 Kolleginnen und Kollegen arbeiten in der Forschung und Entwicklung. Hergestellt werden Nockenwellen im Bereich Verbrenner-Technologie für viele OEMs im PKW- und LKW-Segment.
Das Interview führte Andrea Weingart.