Vertrauensleute-Kongress

Vertrauensleute in Chemnitz senden einen Impuls in die Region

20.09.2026 | Am 19. und 20. September trafen sich rund 100 Vertrauensleute in Chemnitz. Frisches Wissen, gute Inputs, zahlreiche Workshops und gute Vernetzung. Nach den beiden Tagen war klar: Vom Vertrauensleute-Kongress geht ein Impuls hinaus in die Betriebe und die Region. Die Aktion am Nischel am ersten Abend fand sogar bundesweit Beachtung in den Medien.

Vertrauensleute-Kongress am 19./20. September 2026 - Alle Fotos: Maike Pöschel

Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz, begrüßt

Nadine Boguslawski, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall

Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SPD)

Philip Salomon und Benny Schöttler

Christoph Hahn, Politischer Sekretär in der Bezirksleitung der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen

Daniel Menning, Transformationsnetzwerk ITAS

Nadine Boguslawski, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, bedankte sich in ihrem Input am Samstagmorgen bei den Vertrauensleuten für ihr Engagement. „Vertrauen ist harte Arbeit! Als Vertrauensleute seid ihr die ersten, die mit den Problemen und Sorgen der Beschäftigten in Euren Betrieben konfrontiert werdet. Die IG Metall: das sind ihre Mitglieder, ihre Aktiven im Betrieb, die Menschen, die sich zusammen auf den Weg machen, um ihre Interessen zu vertreten und im Zweifel auch dafür auf die Straße gehen.“

Mit einem kämpferischen Input warf sie einen Blick auf die Forderungen des Aktionstags Automobil. „Ohne unsere Arbeit verdienen die Arbeitgeber keinen Cent! Ihr und eure Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass der Laden brummt, dass Profite gemacht werden, dass Steuern in die Staatskasse kommen. Und deshalb habt ihr ein Anrecht darauf, dass Arbeitgeber und Politik euch jetzt nicht im Regen stehen lassen. Wir verlassen uns da aber natürlich nicht auf andere. Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Deswegen gehen wir am 26. September gleich noch ein zweites Mal auf die Straße: Der DGB ruft zum Aktionstag unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente“ auf.“ Sie betonte: „Unser Stärke als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ist unsere Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist stärker als jede Krise. Lasst uns zusammenhalten und solidarisch bleiben. Vertrauen wir auf unsere Kraft und unsere Argumente. Wer, wenn nicht wir hier, haben es in der Hand, die Zukunft zu gestalten.“

In zwei Workshop-Phasen konnten die Vertrauensleute dann am Vormittag und frühen Nachmittag neben Grundlagen erfolgreicher Vertrauensleute-Arbeit im Betrieb und Grundlagen der Tarifpolitik, Rhetorik und Umgang mit gesellschaftlichen Spannungen im Betrieb auch praktische Erfahrungen für die Social Media-Arbeit sammeln.

Am Nachmittag war Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SPD), zu Gast bei den Vertrauensleuten. Er betonte in seinem Input: „Südwestsachsen ist eine starke Industrieregion – und soll es auch bleiben. Die Automobilindustrie ist ein zentraler Teil dieser industriellen Stärke. Viele Menschen hier arbeiten seit Jahrzehnten in der Branche und in ihren Zulieferbetrieben. Diese industrielle Basis, dieses Know-how und diese Arbeitsplätze sind ein Wert, den wir erhalten und weiterentwickeln wollen. Gleichzeitig hat Südwestsachsen noch mehr industrielle Stärke zu bieten: etwa in der Mikroelektronik, oder der Forschung und Entwicklung. Und auch in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie können sich neue Perspektiven für Unternehmen ergeben. Es geht dabei nicht darum, das eine durch das andere zu ersetzen. Es geht darum, die Stärken der Region zu nutzen und zusätzliche Chancen zu erschließen. Und genau dabei müssen die Beschäftigten mit am Tisch sitzen. Das gelingt nur gemeinsam mit der IG Metall und den anderen Gewerkschaften. Sie bringen die Erfahrung und die Perspektive der Beschäftigten ein, wenn es um Qualifizierung, neue Technologien oder die Zukunft von Unternehmen und Standorten geht. Für mich ist deshalb klar: Mitbestimmung macht Unternehmen widerstandsfähiger. Sie hilft dabei, gute und tragfähige Lösungen zu finden – für die Beschäftigten, für die Unternehmen und für die ganze Region.“

Nach der Aktion am Nischel am und einem gemeinsamen Abend begann der Sonntagmorgen mit einem Input von Christoph Hahn, Politischer Sekretär in der Bezirksleitung der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, zur Sozialstaatsoffensive: „Gerade in Zeiten des Umbruchs in der Industrie brauchen die Beschäftigten ein Höchstmaß an Sicherheit. Die Transformation im verarbeitenden Gewerbe, neue weltweite und wettbewerbsfähige Konkurrenz in den Industriesektoren, sowie eine unübersichtliche Handelspolitik rütteln das deutsche Exportmodell kräftig durch. Die sozialen Sicherungssysteme des Staates sind in dieser besonderen Zeit ein Stabilitätsanker und kein unbezahlbarer Kostenfaktor. Die Systeme zukunftsgerecht aufzustellen ist das Gebot der Stunde, nicht sie zusammen zu kürzen.“

Nicole Klein, Betriebsrätin und Vertrauensfrau bei Sodecia, betonte am Rande des Kongresses, dass sie viel für ihre Vertrauensleutearbeit mitnimmt, um ihre Arbeit im Betrieb noch besser zu machen. Benjamin Müßig, stellvertretender Vertrauenskörperleiter im Volkswagen Motorenwerk Chemnitz, erklärte, dass der Vertrauensleute-Kongress für ihn das Sinnbild einer starken Gemeinschaft sei. „Hier stehen viele Betriebe solidarisch zusammen. Wir zeigen nach außen: Ein Angriff von einem Arbeitgeber auf einen Betrieb ist ein Angriff auf alle Betriebe.“ Und er betonte, dass die Workshops viel gutes, praktisches Wissen vermittelt haben.

Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz, fasste in seinem Schlusswort zusammen: „Vom Vertrauensleute-Kongress in Chemnitz geht ein klarer Impuls in die Betriebe und die Region aus: Unsere Vertrauensleute sind die tragende Säule der IG Metall und die Stimme der Beschäftigten vor Ort. Sie schaffen Zusammenhalt, organisieren Solidarität und machen unsere Stärke sichtbar. Für den Erhalt von Industriearbeitsplätzen und eine gute Zukunft in Südwestsachsen werden wir weiter entschlossen kämpfen. Mit uns und unseren Kolleginnen und Kollegen ist dabei jederzeit zu rechnen.“

Von: aw

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