02.02.2026 | Bei Pulsotronic in Niederdorf im Erzgebirge finden die Betriebsratswahlen schon am 24. Februar statt. Seit 1. Januar sind dort drei Unternehmen zur Pulsotronic GmbH verschmolzen. Rund 500 Beschäftigte wählen ihren Betriebsrat. Mitten in der Coronazeit 2021 wurde erstmals ein Betriebsrat in dem damaligen Unternehmen SKS Kontakttechnik gewählt. Ein Interview mit dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Müller.
Wie startet ihr in die Betriebsratswahl?
Michael: Wir haben im Unternehmen eine besondere Situation. Zum 1. Januar wurden drei Unternehmen zur Pulsotronic GmbH verschmolzen. Die Unternehmen liegen direkt nebeneinander auf einem Gelände. Bei SKS-Kontakttechnik hatten wir bereits 2021 erstmals einen Betriebsrat gewählt. Schon im letzten Jahr haben wir in allen Bereichen über die Betriebsratswahl informiert und konnten insgesamt 21 Kandidierende gewinnen.
Anfang Januar hat die IG Metall mit eurem Arbeitgeber erfolgreich Tarifverhandlungen geführt. Kommt das Tarifergebnis gut an?
Michael: Das Unternehmen hatte im März 2023 einen Haustarifvertrag für die SKS Kontakttechnik GmbH abgeschlossen, der nun für alle Unternehmensteile gilt. Künftig werden alle Beschäftigten beim Urlaubsgeld und bei der jährlichen Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) die Regelungen des Flächentarifvertrags für die Metall- und Elektroindustrie in Sachsen erhalten. Die Arbeitszeit wird ab Dezember 2026 von bisher 38,75 Wochenstunden auf dann 38 Stunden abgesenkt. Und es gibt mehr Geld: Die Erhöhung des Entgelts aus der Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2024 in Höhe von 3,1 Prozent im April 2026 erhalten die Beschäftigten der Pulsotronic GmbH auch. Ab Mai 2027 erhalten die Beschäftigten bei Pulsotronic zusätzlich eine Leistungskomponente von 2,5 Prozent. Das kommt sehr gut bei den Beschäftigten an.
Welche Themen werden bei euch im Werk gerade diskutiert?
Michael: Durch die Verschmelzung der drei Unternehmen wird auch an einer neuen Organisationsstruktur für das Unternehmen gearbeitet. Die Belegschaft verfolgt das mit großem Interesse. Als Betriebsrat bestimmen wir mit und verhandeln mit der Arbeitgeberseite einen Interessenausgleich. Dieser soll regeln, wie einerseits Höhergruppierungen umgesetzt werden sollen. Falls Nachteile für Kolleginnen und Kollegen entstehen, federn wir diese damit ab. Wir freuen uns alle, dass es keinen betriebsbedingten Stellenabbau geben wird.
Wie informiert ihr die Kolleginnen und Kollegen über die Betriebsratswahl?
Michael: Wir haben schon im Dezember einen Flyer erarbeitet, um die Kolleginnen und Kollegen zu informieren. Dort erfahren sie auch, was wir in den letzten Jahren erreicht haben und wofür wir uns 2026 einsetzen werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen erleben, dass ein Betriebsrat und eine Tarifbindung ihnen viel Gutes bringt.
Plant ihr Aktionen im Werk, um auf die Wahl aufmerksam zu machen?
Michael: Wir 21 Kandidatinnen haben uns nicht nur gemeinsam für den Flyer entschieden, sondern starteten auch eine Plakat-Aktion. Es handelt sich um gemeinsam selbst gestaltete Plakate. Alle kommen vor und wir versuchen mit einer Portion Humor auf uns aufmerksam machen. Es ist ein starkes Zeichen von Geschlossenheit, wie wir uns gemeinsam im Betrieb präsentieren. Die persönliche Ansprache der Beschäftigten durch uns ersetzt dies natürlich nicht, aber wir kommen deutlich einfacher ins Gespräch.
2021 wurde bei dem Unternehmensteil SKS Kontakttechnik GmbH ein Betriebsrat mitten in der Corona-Pandemie gewählt. Für die Beschäftigten wurden gute Vereinbarungen zum Corona-Schutz, eine Corona-Prämie und u.a. Betriebsvereinbarungen zur Nachtarbeit und Mehrarbeit verhandelt. Im März 2023 wurde bei SKS Kontakttechnik GmbH ein Tarifvertrag geschlossen, der die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert hat: durchschnittliche Entgeltsteigerung um mehr als 16 Prozent. Dieser Tarifvertrag wurde mit der Zusammenlegung auf die weiteren Unternehmensteile übertragen und gilt jetzt für 500 Beschäftigte bei der Pulsotronic GmbH in Niederdorf/ Erzgebirge.
Das Interview führte Andrea Weingart