Betriebsratswahlen

Rhenus AL: Für faire und sichere Arbeitsplätze in der Kontraktlogistik

19.03.2026 | Beim Kontraktlogistiker Rhenus AL in Chemnitz waren am 16. März rund 350 Beschäftigte zur Betriebsratswahl aufgerufen. Mit einer guten Wahlbeteiligung wurden neun Mitglieder für den Betriebsrat gewählt. Welche Themen derzeit in der Belegschaft diskutiert werden, welche Erfolge die letzten Jahre erreicht wurden: Davon berichtet der Betriebsratsvorsitzende Michael Grunewald im Interview.

Michael Grunewald, Betriebsratsvorsitzender beim Kontraktlogistiker Rhenus AL im November 2025 - Alle Fotos: IG Metall

Warnstreik im November 2025 bei Rhenus AL in Chemnitz

Wie ist eure Betriebsratswahl am Montag gelaufen?

Wir haben mit einer guten Wahlbeteiligung von 70 Prozent am 16. März unser 9-er Gremium gewählt. Insgesamt hatten sich  15 Kandidierende aufstellen lassen. Im Betriebsrat sind alle Kolleginnen und Kollegen IG Metaller/-innen vertreten. Wir würden uns freuen, wenn bei der nächsten Wahl mehr Kolleginnen und Kollegen kandidieren würden. Die beiden Kandidationnen wurden auch reingewählt. Mehr als 25 Jahre gibt es bei uns einen Betriebsrat. Anfangs waren wir bei der Verdi organisiert und 2010 sind wir zur IG Metall gewechselt, da die IG Metall als Gewerkschaft für die Kontraktlogistiker in der Autoindustrie zuständig ist.

Welche Themen habt ihr gerade im Betrieb?

Viel diskutiert wird gerade die gerechte Eingruppierung nach Anforderungen und Qualifizierungen. Das dauert schon eine geraume Zeit. Unsere Eckentgeltgruppe ist die 5 und neue Staplerfahrer werden mit der Entgeltgruppe 4 eingestellt. Es kam in der Vergangenheit oft auf den Meister an, ob jemanden höher eingestuft wurde. Vor einigen Jahren konnten wir in einer Tarifverhandlung „den flexiblen Werker“ erfolgreich verhandeln. Seitdem haben wir vielen Kolleginnen und Kollegen, die entsprechende Kenntnisse und Flexibilität mitbringen, in die EG 5 heben können. Aber es gibt immer noch falsch eingestufte Kolleginnen und Kollegen. Wir setzen uns ein für eine faire Entlohnung. Uns geht es um die Würdigung von Qualifikation und Flexibilität.

Was habt ihr in den vergangenen vier Jahren als Betriebsrats-Team erreicht?

Beim Thema Urlaubsplanung haben wir viel erreicht. Es gibt jetzt eine Urlaubsplanung im Unternehmen und wir verhandeln jedes Jahr dazu mit der Standortleitung. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) am Standort begleiten wir intensiv. Das Gesundheitsmanagement haben wir am Standort etabliert. Angefangen haben wir, das Thema Weiterbildung zu bewegen, aber das müssen wir noch ausbauen. Und als Mitglieder der Tarifkommission haben wir auch die Tarifverhandlungen mit unterstützt. Als Betriebsratsteam versuchen wir laufend, die Kollegen einzubeziehen und zum Mitmachen zu motivieren.

Welche Themen wollt ihr in den nächsten vier Jahren bewegen?

Wir wollen die Betriebsratsarbeit aktiver gestalten mit mehr Arbeitsgruppenarbeit und einer besseren Verteilung der Arbeit im Gremium. Und wir wollen unsere Kolleginnen und Kollegen motivieren, sich wieder mehr an uns zu wenden und mitzumachen. Unser Betriebsratsarbeit haben wir umgestellt, weg vom Papier hin zur digitalen Welt. Es ist uns schon zu 95 Prozent gelungen.

Auch die ein oder andere Betriebsvereinbarung werden wir noch überarbeiten, beispielsweise die jährliche Leistungsbeurteilung. Da sind wir schon im Gespräch mit der Geschäftsführung.

Werdet ihr von der IG Metall unterstützt?

Ja, die Unterstützung ist sehr gut. Manchmal sind wir spät dran und dann gibt es Zeitdruck. Wir werden gut informiert, wenn es Fragen gibt.

Was macht in deinen Augen gute Betriebsratsarbeit aus?

Gute Betriebsratsarbeit ist für mich: Vorschläge, Diskussionen, Argumente zu haben, für die Entscheidung des Gremiums einzustehen. Nicht immer kann man seine Meinung durchsetzen. Wenn die Mehrheit etwas anderes beschließt, muss ich auch hinter der Gremium-Meinung stehen, um zusammenzuhalten. Diese Professionalität braucht es. Und manchmal muss auch klare Kante gezeigt werden, aber es geht darum, Kompromisse zu finden. Schließlich ist es ein Geben und Nehmen.

Mir sind die Kolleginnen und Kollegen und ihre Gesundheit extrem wichtig. Ich setze mich für gesunde Arbeitsplätze ein. Und ich setze mich dafür ein, dass die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen eine Wertschätzung erfährt. Es ist wichtig, dass wir weiterhin einen sicheren und fairen Arbeitsplatz haben.

Hintergrund:

Rhenus AL ist der Kontraktlogistiker für das Volkswagen Motorenwerk Chemnitz. Rund 350 Beschäftigte sorgen, dafür, dass im Werk immer das Material vorhanden ist, das zur Produktion verwendet wird. Es geht um die Versorgung der Motorenmontage und der mechanischen Fertigung, Lagerhaltung, Wareneingänge, Versand, Leergutaufbereitung – also die komplette Logistik.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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