Schaeffler

Mit frischem Wind für die Beschäftigten bei Schaeffler

06.07.2026 | Staffelübergabe bei Schaeffler in Limbach/Oberfrohna. Nachdem Tino Nösel 16 Jahre lang die Vertrauensleutearbeit bei Schaeffler geprägt hat, startet er jetzt als Betriebsratsvorsitzender durch. Mit frischem Wind wird Mirko Büttner, die Vertrauensleute im Betrieb anführen. Ein Gespräch mit Tino Nösel und Mirko Büttner.

Ein gutes Team: Betriebsratsvorsitzender Tino Nösel und Mirko Büttner, Vertrauenskörperleiter bei Schaeffler in Limbach/ Oberfrohna. Foto: IG Metall

Am Standort haben die Beschäftigten in den letzten Jahren viel erlebt. Tino, erzählst Du kurz von den Etappen?

Tino: Siemens hatte 2006 entschieden, sich von der Automotive-Sparte zu trennen. Der Standort wurde von Continental übernommen. Die Tarifbindung und die Arbeitsbedingungen sind geblieben. Als 2019 Continental entschieden hat, aus dem Diesel-Nass-Geschäft auszusteigen und damit aus der Verbrennerwelt, war eine Weile die Schließung des Standorts im Gespräch. Im Oktober 2019 spaltete dann Continental seine Antriebssparte ab. Unter neuem Namen Vitesco Technologies, kamen wir erneut in einen Strukturwandel. Anfang 2020 wurde ein Sozialplan und Interessenausgleich verhandelt. Festgelegt wurde, die Beschäftigtenzahl von 1.300 Beschäftigten auf 370 abzusenken. Zu guter Letzt kam dann 2020 auch noch die Corona-Pandemie. Ab Oktober 2024 hat Schaeffler den Standort übernommen.

Mirko: Heute fertigen rund 830 Beschäftigte bei Schaeffler Ersatzteile im gesamten Automobilsegment: Dieselmotoren, Turbolader, Benzinpumpen, alles, was an Ersatzteilen gebraucht wird. Derzeit stellen wir die Produktion um. Letztes Jahr ist das Wasserstoffgeschäft sehr plötzlich weggebrochen.

Tino, stellst Du Dich bitte kurz vor?

Tino Nösel, 55 Jahre. Ich bin seit 2001 am Standort. Begonnen habe ich als Qualitätsmitarbeiter. Schon von Beginn an habe ich mich gewerkschaftlich organisiert – und 2003 in der Zeit des Streiks um die 35-Stundenwoche, habe ich mich in der Vertrauensleutearbeit engagiert. 2006 wurde ich als Betriebsrat gewählt, 2010 als Betriebsrat freigestellt – und seit Mai bin ich Betriebsratsvorsitzender. Von 2010 bis 2026 war ich gerne Vertrauenskörperleiter. Und froh, dass wir mit Mirko einen guten neuen Vertrauenskörperleiter im Unternehmen haben.

Mirko, stellst Du Dich bitte vor?

Mirko Büttner, 48 Jahre. Ich habe 2010 als Praktikant im Unternehmen begonnen. Seit 2011 bin ich festangestellt, zuerst in der Injektormontage, dann 2018 bin ich in die Abteilung Turbolader gewechselt und habe mich als Einrichter weiter qualifiziert. Heute arbeite ich als Schichtleiter. Tino hat mich damals angesprochen, Mitglied zu werden. Und schon kurz nach meiner Festanstellung habe ich in der Vertrauensleute-Arbeit mitgemacht. Und ich bin noch heute begeistert von der Vertrauensleute-Arbeit und den guten Netzwerken – auch außerhalb des Betriebs.

Wie kam es zu dem Wechsel in der Vertrauensleute-Spitze?

Tino: Als Betriebsratsvorsitzender werde ich jetzt eine neue Rolle im Unternehmen haben. Gleichzeitig die Vertrauensleute nach vorne zu bringen, wäre zu viel. Und ich bin mir sicher, dass Mirko jetzt richtig Schwung reinbringen wird. Wichtig ist in bewegten Zeiten eine gute, verlässliche Zusammenarbeit.

Mirko: Ich möchte mich erstmal bei Tino für seine jahrelange Arbeit als Vertrauensleutekörperleiter bedanken. Ich freue mich darauf, jetzt frischen Wind mit in die Vertrauensleutearbeit zu bringen. Ich habe immer sehr eng und gut mit Tino zusammengearbeitet. Das wird so bleiben. Und das neue Amt ist für mich schon eine Ehre.

Ich freue mich darauf, die junge Generation für die IG Metall und die Vertrauensleutearbeit zu begeistern. Ich möchte die Gewerkschaft wieder näher an die Mannschaft bringen und sichtbarer werden. Noch läuft bei uns der Personalabbau und wir können diesen Standort nur mit fairen Arbeitsbedingungen halten, wenn wir als Belegschaft gut und eng mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten. Unser Standort hat eine lange Geschichte. Wir müssen gemeinsam diesen Standort mit fairer Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu erhalten.

Wie geht ihr als Belegschaft mit dem Wandel um?

Tino: Der Umgangston hier im Werk ist wirklich in Ordnung. Wir bewältigen gemeinsam Probleme und wir bekommen es immer hin. Auch wenn alle bei Werksbesuchen begeistert sind, brauchen wir immer neue Geschäftsfelder für unseren Standort. Durch den Verlust des Wasserstoffgeschäfts mussten im März mit einem Freiwilligenprogramm wieder 60 Leute gehen. Das ist hart für alle. Auch wenn wir eine gute Abfindung für alle verhandelt hatten. Die Flexibilität unserer Belegschaft ist sehr gut.

Mirko: Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir viele Mitglieder im Betrieb. Wenn wir zusammenhalten, können wir mit einer starken Gewerkschaft an unserer Seite mehr erreichen.

Was macht für Dich, Mirko, gute Vertrauensleutearbeit aus?

Mirko: Wir müssen das Vertrauen in der Belegschaft stärken. Wir können auch mal unterschiedlicher Meinung sein, aber mit Respekt können wir uns gemeinsam für unsere Belange einsetzen. Unsere Lage ist nicht einfach, da wir als Standort sehr viel Veränderung zu bewältigen haben. Unsere Stärke wächst aus dem guten Miteinander und dem Vertrauen, das da ist.

Tino: Vertrauensleute engagieren sich intensiv in ihrem Ehrenamt, auch außerhalb der Arbeitszeit. Ich bin beispielsweise im Ortsvorstand der IG Metall Chemnitz. Mirko ist Delegierter. Vertrauensleute sind ja die Vertretung der IG Metall-Mitglieder im Betrieb. Daher ist es auch wichtig, nah dran zu sein.

Tino, was möchtest Du Mirko mit auf den Weg geben?

Tino: Mit seiner Art ist Mirko immer erste Wahl gewesen. Auf Mirko konnte und kann ich mich immer verlassen. Er war selbst im Urlaub auch immer da, wenn es etwas zu tun gibt. Ich werde Mirko immer unterstützen. Bei uns gibt es ein gutes Miteinander von Betriebsrat und Vertrauensleuten. Und ich freue mich darauf, dass Mirko guten Schwung reinbringen wird – auch mit neuen Ideen.

„Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den neuen Betriebsratsvorsitzenden und dem neuen VK-Leiter. Gemeinsam stehen wir für eine starke IG Metall im Betrieb“, sagte Ingo Hanemann, Zweiter Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz.

Hintergrund:

Bei Schaeffler werden heute mit rund 830 Beschäftigten Ersatzteile für den Automobilbereich hergestellt.

Von: aw

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