Betriebsratswahlen

KSG: Betriebsratswahl in schwierigen Zeiten

23.03.2026 | Bei KSG in Gornsdorf produzieren rund 440 Beschäftigte Leiterplatten. Wegen eines Sanierungsprozesses wurden in den letzten zwei Jahren Beschäftigte entlassen. Der Betriebsrat musste harte Verhandlungen mit der Geschäftsführung bestehen. Trotzdem blicken Kristin Brückner, Betriebsratsvorsitzende und ihr Stellvertreter Matthias Thieme auf gute Erfolge in den letzten vier Jahren.

Matthias Thieme, stellvertr. Betriebsratsvorsitzender, und Kristin Brückner, Betriebsratsvorsitzende bei KSG - Foto: IG Metall

Wie ist die Stimmung vor den Betriebsratswahlen?

Matthias: Zurzeit ist es ziemlich ruhig. Alle sind gespannt auf die Wahl. Wir wählen am 14./ 15. April ein 11-er-Gremium. Bisher waren wir ein 13-er Gremium, aber durch den Personalabbau werden wir weniger. Es stellen sich 23 Kandidierende zur Wahl. Durch den Abbau von Beschäftigten haben wir es mit einer Arbeitsverdichtung zu tun und müssen schauen, wie wir die Arbeit mit weniger Beschäftigten bewältigen.

Kristin: Bis Ende 2026 sind wir im Sanierungsprozess. Wir sind froh, dass wir eine Persönlichkeitswahl haben.

Ist Betriebsratsarbeit ohne Tarifbindung anders?

Kristin: Ja, es ist viel schwieriger. Ohne Tarifbindung kann der Betriebsrat viele Themen nicht regeln. Mit einer Tarifbindung kann der Betriebsrat deutlich mehr Themen aufgreifen und verhandeln. Das Betriebsverfassungsgesetz erlaubt dem Betriebsrat nicht, beispielsweise über Entgelt zu verhandeln.

War es schwer, Kandidierende für den Betriebsrat zu finden?

Kristin: Dieses Jahr haben uns die Kolleginnen und Kollegen nicht die Bude eingerannt – wie in den Jahren als es uns gut ging. Da war die Liste deutlich länger. Bei Themen wie Personalabbau ist es eben auch nicht so cool Betriebsrat zu sein.

Welche Erfolge habt ihr in der letzten Legislatur als Betriebsrat erzielt?

Matthias: Beispielsweise haben wir die Teilzeitanträge für Frauen mit Kindern für alle gleich geregelt. Für das Thema Mehrarbeit haben wir eine Freiwilligkeit erreicht. Zum Thema Schichtsysteme haben wir eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt und eine Regelung erreicht. Ein guter Erfolg waren auch die bezahlten Pausen im 2- und 3-Schichtsystem.

Kristin: Das Thema Überprüfung von Eingruppierungen haben wir auf der Agenda und wir haben das Leistungsentgelt seit über 40 Monaten mit 9 Prozent gesichert. Laufend haben wir bei Kündigungen widersprochen, auch wenn das oft nur ein Signal an den Arbeitgeber ist. Als Betriebsrat haben wir beim Thema Sozialplan und Interessensausgleich ein Freiwilligenprogramm verhandelt. Wir haben eine Sonderzahlung gesichert, die Nutzung eines monatlichen Steuerfreibetrages erreicht und es gibt jetzt für die Beschäftigten Geburtstagsgutscheine. Zum Thema Betriebsvereinbarung zu den Brückentagen haben wir eine Mitarbeiterumfrage durchgeführt. Inzwischen haben wir ein Klima des Respekts in Verhandlungen und in Gesprächen mit der Geschäftsführung.

Welche Themen habt ihr für die nächsten vier Jahre als Betriebsratsteam vor?

Matthias: Wir wollen eine Überprüfung der Eingruppierungssystematik durchführen, und das Thema Leistungsentgelt in Höhe von 9 Prozent wollen wir weiter sichern.

Kristin: Es steht auch das Thema Stundenkonto als Freizeitkonto auf der Agenda. Und wir wollen das Thema Zukunftsorientierung für die Arbeitnehmer/-innen angehen. Wir wollen Klarheit darüber, wo wir hinwollen. Sind unsere Arbeitsplätze wieder sicher? Und wir werden unser Ziel: Ein Tarifvertrag für KSG nicht aus den Augen verlieren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der IG Metall?

Kristin: Da wir im Sanierungsprozess waren, hat der Personalabbau große Ängste ausgelöst. Wir arbeiten gerade daran, wieder ein Wir-Gefühl in der Belegschaft hinzubekommen. Wir profitieren von der Vernetzung mit anderen Betriebsräten in der IG Metall und von Schulungen der Gewerkschaft.

Was macht gute Betriebsratsarbeit aus?

Matthias: Auf die Kolleginnen und Kollegen eingehen. Versuchen umzusetzen, was die Belegschaft will.

Kristin: Das Schutzschild für die Belegschaft sein.

Was würdet ihr gerne noch einbringen?

Matthias: Mit dem Iran-Krieg kommen wieder neue Probleme auf uns zu. Beispielsweise die Lieferketten sind wieder in Gefahr. Wir sind abhängig von Rohstoffen wie Kupfer, Zinn, Gold, die nicht aus Europa kommen. Auch die Energiepreise belasten unser Unternehmen.

Kristin: Ich würde mich freuen, wenn wieder mehr Beschäftigte in die Gewerkschaften eintreten. Wir meckern immer viel in Richtung Politik. Aber nur wenn wir die Gewerkschaften stärken, haben wir eine starke Stimme. Nur damit können wir Angriffe auf unsere Arbeitsbedingungen abwehren.

Hintergrund:

Bei KSG stellen rund 440 Beschäftigte Leiterplatten am Standort Gornsdorf her. Seit 1994 gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen. Allerdings gibt es noch keine Tarifbindung im Unternehmen.

Das Interview führte Andrea Weingart.

Von: aw

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