IG Metall Chemnitz
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05.12.2019, 16:12 Uhr

VOITH: Kampf gegen Standortschließung geht weiter

Klares Signal aus Zschopau - Wir bleiben hier!

  • 30.11.2019
  • Aktuelles

Am letzten Samstag im November herrscht bereits früh am Tag rege Betriebsamkeit im Chemnitzer Haus der Gewerkschaften. Grund sind die Vorbereitungen für das Aktionsfrühstück der Metallerinnen und Metaller von J.M. Voith. Bereits ab 7 Uhr werden u.a. Stühle gerückt.

Mehr als 100 Stühle sind mittlerweile aufgestellt, Tische fürs Catering vorbereitet und IG Metallfahnen für die anschließende Kundgebung bereitgestellt. Es kann also losgehen.

Gegen 8:30 Uhr kommen die ersten Beschäftigten am Gewerkschaftshaus an. Und sie sind auch nicht allein. Ganze Familie treffen sie nach und nach ein. Ihre Kinder, ihre Frauen bzw. Männer begleiten sie nicht nur, sondern haben Botschaften für den VOITH Vorstand dabei. Botschaften, die sie selbst auf Pappschilder gemalt haben. Botschaften, die zeigen, was sie von dieser Betriebsschließung halten.

Gegen 9 Uhr ist der große Saal im Gewerkschaftshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Kaffeeduft schwebt im Raum. IG Metallschals und -mützen sind an Frau, Mann oder Kind gebracht.

Der Chemnitzer IG Metall Chef, Mario John, begrüßte die Beschäftigten und deren Familienmitglieder. Ebenfalls konnte er Vertreter aus Politik, anderen Gewerkschaften oder aus anderen Betrieben willkommen heißen. In seiner kurzen Ansprache kritisierte er die Entscheidung des Vorstandes von Voith aufs Schärfste. Mit der angekündigten Schließung klaue man den Beschäftigten ihre Arbeitsplätze, ihre Existenzgrundlage und deren Kindern oder Enkeln die Zukunft.

Voith solle sich seiner sozialen Verantwortung stellen und die Zukunft in Zschopau mitgestalten. Entweder durch Rücknahme des Schließungsbeschlusses weiter im VOITH Verbund oder durch einen Verkauf auch außerhalb.

Mario Schubert, Betriebsratsvorsitzender J.M. Voith, kann die Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen: „Wir sind gut aufgestellt, wir entwickeln an neuen Dingen und wir sind bei unserem Geschäft flexibel.“

Die unterstützenden Worte vom Bundestagsabgeordneten aus dem Erzgebirge, Alexander Krauß, als auch den solidarischen Grüßen vom DGB Geschäftsführer, Ralf Hron, nahmen die Beschäftigten zur Unterstützung in ihrem Kampf gegen die Betriebsschließung dankend entgegen.

So ging der kurzweilige erste Teil der Veranstaltung bereits zu Ende. Schnell noch einige Fotos im Innenhof des Gewerkschaftshauses mit Kampfesgrüßen nach Heidenheim, dem Stammsitz von Voith, geschossen und ab in die bereitgestellten zwei Busse, um zur Kundgebung nach Zschopau zu fahren.

Im ehemaligen MZ Werk in Zschopau nutzt J.M. Voith mehrere Etagen für die Entwicklung und Produktion. Ganz oben an diesem Objekt ist in großen blauen Buchstaben der Firmenname VOITH zu lesen. Nachts strahlt der Schriftzug weit ins Erzgebirge.

Doch damit soll bald Schluss sein. Dann gehen hier die Lichter aus. Die Produktion soll verlagert werden.

Die Beschäftigten, die genau unterhalb dieser Leuchtreklame ihre Kundgebung abhalten, sehen das natürlich anders. Wir bleiben hier! - ist ihre eindeutige Botschaft. Und Mario Schubert bringt es dann auf den Punkt: „Wir kämpfen um jeden einzelnen Arbeitsplatz hier. Bei Voith kann man sich schon einmal warm anziehen.“

Mittlerweile macht auch die Information die Runde, dass 1.000 Kolleginnen und Kollegen aus Sonthofen im Allgäu mit 16 Bussen auf dem Weg nach Heidenheim sind, um dort vor Ort gegen die Schließung ihres Standortes durch Voith zu protestieren. Diese Nachricht wurde mit viel Beifall bedacht.

Zur Kundgebung gab es auch Unterstützung aus der Politik. Der Oberbürgermeister der Stadt Zschopau, Arne Sigmund, fand aufmunternde Worte für die von der Schließung bedrohten Beschäftigten. Weitere Redner aus der Politik waren Jörg Markert (CDU) und Simone Lang (SPD).

Solidarische Grüße und die Zusage für weitere Unterstützung beim Kampf zur Rettung des Standortes gab es von Betriebsräten von Siemens WKC, Feintool aus Oelsnitz/Erzgebirge, Continental Aerospace und Volkswagen Sachsen Motorenwerk Chemnitz.

„Wer nicht aufrecht geht, sieht die Sterne nur in der Pfütze. Ihr seid heute aufrecht gegangen, geht diesen Weg so weiter“, rief es René Utoff, Betriebsratsvorsitzinder im Motorenwerk den Voithianern zu.

Zum Schluss ergriff Kollege Schubert noch einmal das Wort. Unter dem Motto: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“ bereitete er seine Mannschaft auf eine lange, harte Auseinandersetzung mit Voith vor. Er bedankte sich bei allen Akteuren für die tolle Unterstützung heute und wünschte einen schönen ersten Advent.


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