17.03.2026 | Am 17. März ging es im Industriemuseum in Chemnitz um die Zukunft der Industrieregion Chemnitz. Rund 130 Gäste: darunter Betriebsrätinnen und Betriebsräte, Arbeitgeber der Region, Gäste aus Politik und Wissenschaft – diskutierten über den Weg in die Zukunft. Am Nachmittag wurde die Chemnitzer Erklärung vorgestellt. Ministerpräsident Michael Kretschmer begrüßte die "Liebeserklärung der Metaller für die Region und an den Standort".
„Wir in Chemnitz – einer Region mit industriellem Herzschlag – befinden uns mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Industrie, Energie, Mobilität, Qualifikation, Demografie und Internationalisierung verändern sich gleichzeitig. Es sind Veränderungen, die alle Lebensbereiche unserer Beschäftigten berühren. Die Betriebsräte der Metall- und Elektrobetriebe unserer Region haben eine kritische Bestandsaufnahme zu den derzeit bestehenden Standort- und Beschäftigungsrisiken in den Unternehmen vorgenommen. Dann haben wir die Chancen, Potentiale und Kompetenzen unserer Unternehmen bewertet und uns anlässlich der Aktivitäten zur Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 erstmals mit der Chemnitzer Erklärung zur Zukunft unserer Industrie positioniert und zentrale Handlungsfelder aufgezeigt. Frei nach dem Motto: „Die Zukunft der Industrie entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, Neues zu schaffen. Wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und neue Wege zu gehen“, haben unsere Betriebsräte klar gesagt: Wir wollen diese Entwicklungen nicht einfach über uns ergehen lassen, sondern den Wandel aktiv gestalten“, so Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz, bei der Vorstellung der Chemnitzer Erklärung.
Und weiter: „Gemeinsam werden wir an einer innovativen, zukunftsfähigen und erfolgreichen Industrieregion Chemnitz arbeiten. Grundlage unseres Erfolges sind Unternehmerinnen und Unternehmer, die Dinge anpacken und gute Ideen umsetzen – und das Engagement, Wissen und die Ideen der Beschäftigten, die hier arbeiten und leben. Gelebte Sozialpartnerschaft und ein starker Gemeinschaftsgeist schaffen ein Klima, das Innovationen befördert.“
Die Chemnitzer Region steht für Weltklasse-Ingenieurkunst: Maschinenbau, Mikroelektronik, intelligente Textilien und Software für automatisiertes Fahren. Aus dem einstigen „sächsischen Manchester“ mit rauchenden Schornsteinen ist ein modernes Industriecluster mit High-Tech-Branchen geworden. Ein ausgewogener Branchen-Mix prägt die Wirtschaftslandschaft: Neben großen Standorten wie Siemens und dem VW-Motorenwerk engagiert sich der Mittelstand mit vielfältiger Tarifstruktur.
Rund 18.500 Industrie- und Handwerksunternehmen bilden in der Region Chemnitz einen lebendigen Wirtschaftsraum. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten rund 26.000 Menschen, davon etwa 8.000 in automobilnahen Produktionen, Zulieferern und industriellen Dienstleistern. Die Beschäftigten sind gut qualifiziert, erfahren in Gestaltung und Wandel – und identifizieren sich stark mit ihrer Region und ihren Unternehmen.
Gemeinsam für eine Industrieregion mit Zukunft
Die IG Metall Chemnitz und ihre Mitglieder in der Region, geben Impulse und arbeiten über ideologische Grenzen hinweg für gute Arbeit und gutes Leben in der Chemnitzer Industrieregion. „Wir setzen auf: demokratische Teilhabe in Betrieb und Gesellschaft, sichere Beschäftigung und soziale Innovation, aktive Gestaltung der Transformation und des demografischen Wandels. Wir arbeiten kooperativ, wenn es um die Weiterentwicklung von Standorten und Beschäftigung geht, und konsequent, wenn es um Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten geht“, so Eddie Kruppa.
Am Vormittag rief der Chemnitzer IHK-Präsident Max Jankowsky dazu auf, sich auf die Stärken Südwestsachsens zu besinnen. "Es liegt an uns, etwas zu verändern. Nur gemeinsam schaffen wir das", betonte er. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, wir gehen den Wandel an", schloss er seinen Input. In einer Podiumsdiskussion um die Rolle der Mitbestimmung im Jahr 2026 diskutierten anschließend Staatsministerin Elisabeth Kaiser, Ostbeauftragte der Bundesregierung, mit Prof. Dr.-Ing. Nils Kroemer, VSME Sachsen, Karsten Schulze, Managing Director FDTech, und IG Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Jan Otto. Studien belegen, dass mitbestimmte Unternehmen in Deutschland häufig produktiver und erfolgreicher sind als Unternehmen ohne Mitbestimmung. Betriebsräte wirken als Treiber für bessere Arbeitsbedingungen und Innovationen.
Am späten Vormittag stellte Dr. Martin Böhringer, CEO und Co-Founder von Staffbase eine Employee-Experience Plattform vor, die speziell für die interne Kommunikation und das Engagement von Mitarbeitenden entwickelt wurde. Staffbase ist ein hidden champion mit Millionenumsatz in Chemnitz. Werkleiterin Franziska Fischer, Volkswagen Motorenwerk in Chemnitz, derzeit noch erfolgreich mit der Herstellung von Motoren und Komponenten für Verbrenner, stellte gemeinsam mit Dipl.-Ing. Thomas Ungethüm, ein Thermomanagement Modul als Produkt für die Zukunft des Werkes vor.
Nach der Mittagszeit ging es in einem Impuls-Vortrag um die Sozialen Medien. Martin Fuchs, Social Media und Politik-Experte bot einen spannenden Überblick. Als Weg aus der „Lieferando-Demokratie“ schlug er unter anderem vor: Gemeinschaftsgefühl schaffen, Kritische Selbstreflexion, Strategische Allianzen, Vertrauen, Respekt, analoge Ort schaffen und Demokratie erlebbar machen.
Abschließend stellten Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, und IG Metall-Bezirksleiter Jan Otto fest, dass der Weg in die Zukunft nur ein gemeinsamer sein kann. "Der Wandel gelingt nur im Schulterschluss von Politik, Unternehmen und Gewerkschaften. Dafür braucht es einen klaren, zukunftsorientierten Blick und ein entschlossenes, schnelles Handeln der Bundesregierung", so Ministerpräsident Kretschmer. "Transformation ist eine gemeinsame Aufgabe - deshalb sind Formate wie die Zukunftskonferenz der IG Metall Chemnitz entscheidend, um die richtigen Schritte für mehr Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke zu diskutieren."
Als Dokument in der Meldung: die Chemnitzer Erklärung.
Berichterstattung:
MDR Sachsenspiegel, 17. März 2026, 19.30 Uhr, ab Minute 2:56
MDR aktuell, 17. März 2026, 23.30 Uhr
MDR aktuell, 17. März, 17.49 Uhr, Hörfunkbeitrag
Freie Presse, 17. März 2026 (mit Bezahlschranke)
Sächsiche Zeitung, 18. März 2026, 5.00 Uhr (mit Bezahlschranke)
Spiegel TV, 23. März 2026, ab Minute: 0.58 "VW-Krise" - im Beitrag ab 9:40 Sachsen