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IG Metall Chemnitz fordert IAV auf, nicht auf Kosten der Beschäftigten zu sanieren

20.01.2026 | Am Dienstagnachmittag zeigten rund 500 Beschäftigte bei IAV am Standort Stollberg bei einer Kundgebung, dass sie nicht die Kosten für die Sanierung zahlen wollen. Die Geschäftsführung des Entwicklungsdienstleisters im Automotive-Bereich hat für 2026 weitere drastische Maßnahmen angekündigt und als Grund die existenzbedrohende Lage des Unternehmens genannt. Vorgesehen ist der Abbau von rund 1.500 zusätzlichen Arbeitsplätzen bundesweit bis Ende des Jahres.

Kundgebung am 20. Januar 2026 bei IAV in Stollberg - Fotos: IG Metall

Als zusätzliche Einschnitte wurde das Aussetzen der bereits vereinbarten Entgelterhöhung von 3,3 Prozent ab Januar 2026, eine weitere tarifliche Nullrunde und starke Arbeitszeitabsenkung angekündigt. Diese Einsparungen sollen genutzt werden, um den Personalabbau zu finanzieren. Damit würde die Belegschaft ihren eigenen Stellenabbau bezahlen.

„Wir fordern die Geschäftsführung der IAV auf, endlich die richtigen Weichen zu stellen, statt dauerhaft auf Kosten der Beschäftigten zu sanieren“, sagt Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz. „Unklar ist immer noch, wohin der Weg führt. Die Beschäftigten sind nicht bereit, nach den starken Einschnitten im Jahr 2025 erneut Opfer zu bringen. Sie erwarten dafür verbindliche Sicherheiten und eine klare Perspektive. “

An der Kundgebung nahmen auch Rasha Nasr, Bundestagsabgeordnete der SPD, Marco Böhme, Landesvorsitzender Die Linke, und Frank Dittrich, Kreisvorsitzender Zwickau, Die Linke, teil. 

Die zentrale Forderung der IG Metall ist Transparenz gegenüber der Beschäftigten und eine Beschäftigungssicherung über 2026 hinaus. Seit letzter Woche liegen der Tarifkommission sowie dem Gesamtbetriebsrat Unterlagen zu der geplanten Arbeitsstruktur vor. Diese Unterlagen werden derzeit in den Gremien geprüft und bewertet. Klar ist aber, dass das Konzept einschneidende Maßnahmen für die Beschäftigten über den Personalabbau hinaus vorsieht.

Die Geschäftsführung räumt selbst ein, in der Vergangenheit zu bequem agiert, keine ausreichenden Rücklagen gebildet und sich zu stark auf wenige Kunden und eine Branche konzentriert zu haben. Was als späte Selbstkritik formuliert wird, wirft für die Gewerkschaft eine zentrale Frage auf: Wenn diese Versäumnisse bekannt sind – warum sollen nun erneut die Beschäftigten für Managementfehler haften?

Noch im Februar 2025 hatte die Unternehmensleitung der Belegschaft Zuversicht vermittelt. Mit der IG Metall wurde ein Zukunftssicherungstarifvertrag abgeschlossen, der erhebliche Zugeständnisse der Beschäftigten beinhaltete. Ein Verzicht in zweistelliger Millionenhöhe wurde akzeptiert, verbunden mit dem klaren Versprechen der Geschäftsführung, neue Aufträge zu akquirieren und zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen. Ab Januar 2026 sollte die tariflich vereinbarte Entgelterhöhung von 3,3 Prozent regulär ausgezahlt werden.

Gleichzeitig wurden in den vergangenen zwei Jahren über ein Freiwilligenprogramm inzwischen mehr als 600 Arbeitsplätze abgebaut. Diese Einschnitte hat die IG Metall nur deshalb mitgetragen, weil sie als Teil eines tragfähigen Zukunftspfades dargestellt wurden. Die IG Metall hält darüber hinaus an ihrer tarifpolitischen Position fest. Die Tarifkommission hat eine Entgelterhöhung ab dem 1. Januar 2026 gefordert, die über die bereits fest vereinbarte Steigerung von 3,3 Prozent hinausgeht. Dabei geht es ausdrücklich um einen Inflationsausgleich.

Die Geschäftsführung der IAV forciert einen weiteren Personalabbau. Für 2026 sind betriebsbedingte Beendigungskündigungen zwar ausgeschlossen, doch die IG Metall will diesen Schutz über das Jahr hinaus ausweiten. Umso beunruhigender ist es, dass in den Tarifverhandlungen vom Unternehmen auch ein weiterer Stellenabbau in den Jahren 2029 und 2030 angesprochen wurde – ohne jede Konkretisierung.

Freiwilligenprogramme schließt die IG Metall grundsätzlich nicht aus. Sie sind jedoch nur dann realistisch, wenn sie mit fairen Abfindungen und tragfähigen Perspektiven verbunden sind. Aussagen, dafür stehe kein Geld zur Verfügung, hält die IG Metall für wenig überzeugend.

In den bisherigen Tarifverhandlungen – am 25. November, 2. Dezember 2025, 8. Januar und zuletzt am 14. Januar 2026 – hat die Arbeitgeberseite kein tragfähiges Zukunftskonzept vorgelegt. Dabei hat das Unternehmen Monate Zeit gehabt, frühzeitig das Gespräch zu suchen. Stattdessen seien weitere Wochen vergangen, ohne dass Substanz nachgereicht wurde.

Berichterstattung: 

MDR Sachsenspiegel, 20. Januar 2026, Minute 6:39

MDR Nachrichten, Hörfunkbeitrag, 20. Januar 2026

Freie Presse, 20. Januar 2026

Ingenieur.de, 20. Januar 2026, 10.37 Uhr

n-tv.de, 20. Janauar 2026, 3.31 Uhr

MDR Regionalnachrichten, 20. Januar 2026, 14.37 Uhr

welt.de, 20. Januar 2026, 3.39 Uhr

der newsticker, 20. Januar 2026, 13.35 Uhr

tixio.de, 20. Januar 2026, 13.30 Uhr

Hintergrund:

Die IAV GmbH - Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr - ist ein führender Entwicklungsdienstleister der Automobilindustrie und spezialisiert auf Bereiche wie automatisiertes Fahren, E-Traktion, Fahrzeugentwicklung, Exterieur, komplette Getriebe, Verbrennungsmotoren, E-Antrieb, Hybridantriebe sowie Interieur und Cockpit. Bundesweit arbeiten rund 5.500 Beschäftigte an fünf Standorten. Am Standort Stollberg im Erzgebirge arbeiten rund 800 Beschäftigte.

Von: aw

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