Werkzeugbau

Guter Sozialplan/ Interessensausgleich für Beschäftigte von Andritz WVL in St. Egidien

08.07.2026 | Am 31. August 2026 schließt Andritz WVL den Standort in St. Egidien. Dort produzierten seit 1998 – vorher Werkzeugbau von VEM Elektromotorenwerk in Thurm - heute noch 56 Beschäftigte Präzisionswerkzeuge und Vorrichtungen. Seit 2013 gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen und gemeinsam mit den gut organisierten Kolleginnen und Kollegen und der IG Metall wurde ein Haustarifvertrag erstritten. Ein Interview mit dem Betriebsratsvorsitzenden Daniel Handke, seiner Stellvertreterin Annett Pach und Ingo Hanemann, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz:

Annett Pach, stellvertr. Betriebsratsvorsitzende bei WVL Andritz in St. Egidien und Betriebsratsvorsitzender Daniel Handke - Foto: IG Metall

Daniel und Annett, wie ist derzeit die Stimmung bei euch im Betrieb?

Daniel: Schon im September 2025 hat die Konzernleitung die Standortschließung verkündet. Also sind wir alle schon lange mit dem Thema konfrontiert. Die Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass jetzt Klarheit herrscht und das Ergebnis relativ gut ist. Aber das Ende ist natürlich jetzt nah und das geht allen an die Nieren.

Annett: Vor der Verkündung, wann genau wir schließen und mit welchen Bedingungen alle rechnen können, war die Stimmung im Keller. Seit dem 2. Juni 2026 ist nun der konkrete Schließungstermin, die Abfindungsmodalitäten und weitere Möglichkeiten für die Kollegen bekannt und die Unsicherheiten sind beendet.

Das Unternehmen hat beschlossen, den Standort in St. Egidien zu schließen. Warum?

Daniel: Das Unternehmen hat es mit der ausbleibenden Auftragslage und der Marktsituation im Bereich Werkzeug- und Vorrichtungsbau begründet.

Annett: 2019 ging es mit dem Corona-Thema los, danach kam E-Mobilität – denn wir produzieren für den Verbrennermarkt. Wir hatten dann Kunden im Bereich der E-Mobilität, 2024 einen Großkunden. Als diese 80 Prozent unserer Auftragslage weggebrochen sind, gab es keine Alternativen und keinen Ersatz.

Wie sieht es mit der Suche nach Arbeitsplätzen in der Region aus?

Daniel: Bei uns arbeiten sehr hoch qualifizierte Beschäftigte. Aber in der jetzigen Lage ist es natürlich nicht einfach, etwas zu finden. Vereinzelt höre ich von Kollegen, die schon etwas gefunden haben. Und der Sozialplan/ Interessensausgleich steht ja erst seit kurzem.

Wie sieht euer Sozialplan aus? Hilft er den Beschäftigten?

Annett: Der Abfindungsbetrag orientiert sich an den Abschlüssen des Konzerns in der Vergangenheit. Es gibt die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um den zeitlichen Druck für die Kollegen, die suchen, zu mindern.

Daniel: Seit zehn Jahren gibt es im Schuler-Konzern Restrukturierung, die auch die westdeutschen Standorte betrifft.

Wie konntet ihr diese guten Regelungen erreichen?

Daniel: Wir hatten einen guten Anwalt. Uns war klar, dass wir die Schließung nicht abwenden können. Ingo hat uns bei Fragen – auch in der Vergangenheit - immer unterstützt.

Annett: Wir haben uns natürlich schlau gemacht, wie die Abschlüsse in der Vergangenheit im Konzern ausgesehen haben. Unser Anwalt hatte 2024 den Sozialplan zum Stellenabbau bei ANDRITZ AWEBA in Aue begleitet und dabei ein gutes Ergebnis erzielt. Durch die enge Zusammenarbeit der Betriebsräte im Konzern konnten wir auf diese Erfahrung zurückgreifen.

Wenn ihr zurückblickt: Hat es sich gelohnt, die IG Metall an der Seite zu haben?

Annett: Seit es unseren Betriebsrat gibt, haben wir einen Haustarifvertrag und ein Eingruppierungssystem erkämpft. Vorher hat jeder Kollege sein Entgelt selbst verhandelt. Alle, die neu dazu kamen, sind mit mehr eingestiegen als diejenigen, die schon lange dabei waren.

Daniel: Wir hatten immer wieder Betriebsratsklausuren, die von der IG Metall organisiert wurden. Und wir haben zahlreiche Seminare besucht, die uns sehr geholfen haben, gerade die Seminare zur Betriebsänderung. Dieses Wissen konnten wir gut einbringen.

Ingo Hanemann, heute Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz, hat die Kolleginnen und Kollegen viele Jahre begleitet.

Ingo, seit wann kennst du das Unternehmen? Erinnerst du dich noch an euer erstes Treffen?

Ich kenne das Unternehmen seit 2013. An unser erstes Treffen erinnere ich mich noch gut: Die Kolleginnen und Kollegen wollten einen Betriebsrat wählen und zugleich einen Tarifvertrag erreichen. Mehr als 50 Prozent der Beschäftigten organisierten sich damals in der IG Metall, wählten mit 100 Prozent Beteiligung ihren ersten Betriebsrat und anschließend haben wir gemeinsam den ersten Tarifvertrag erstritten.

Was kann die Gewerkschaft bei Standortschließungen tun?

Eine Gewerkschaft kann eine Schließung nicht alleine verhindern, aber sie kann deren Folgen und Verlauf erheblich beeinflussen. Sie kann soziale Härten abfedern, bessere Bedingungen für die Beschäftigten durchsetzen und unter Umständen Alternativen zur Schließung erreichen. Die Voraussetzung dafür sind eine starke betriebliche Organisation, ein Betriebsrat und gewerkschaftlicher Rückhalt.

Hintergrund:

Die ANDRITZ WVL GmbH zeichnet sich in der Umformtechnik als Lieferant für Werkzeuge mit angeformten Tuben sowie werkzeugintegrierten Gewindeformeinrichtungen aus. Ebenso ist man hier langjähriger Spezialist für Stufenpressenwerkzeuge zur Produktion von Präzisionsteilen. Ein weiteres Standbein ist die Herstellung von hydraulischen Spannvorrichtungen.

Von: aw

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