ITAS-Team

Gelingende Transformation braucht engagierte Beschäftigte

27.05.2026 | Wer Transformation will, muss Beschäftigte nicht nur anhören, sondern als Expertinnen und Experten für die Umsetzung ernst nehmen. Alles andere produziert Widerstand statt Zukunft. So lautet das Fazit einer Studie, die als Kooperationsprojekt zwischen dem ITAS-Team der IG Metall und der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Universität Kassel erarbeitet wurde.

Foto: Traimak_Ivan/iStock

Im Fokus der Untersuchung stand der Blickwinkel der Beschäftigten auf die Transformation in ihrer Branche. Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens mit mehr als 450 Befragten, das Untersuchungen bei Endherstellern (u.a. VW Kassel-Baunatal, Opel Eisenach), Unternehmen der Grundstoffindustrie sowie 24 weiteren Zulieferunternehmen einschließt. Die Ergebnisse der qualitativen Tiefenbohrung besitzen eine hohe Plausibilität, weil die Befragten als Fachleute für den Umbau ernst genommen werden.

In der vorliegenden Studie hat das Team um den Arbeitssoziologen Professor Klaus Dörre in Zusammenarbeit mit dem ITAS-Projekt 36 Beschäftigte eines Automobilzulieferers in Südwestsachsen befragt und beleuchtet, wie Beschäftigte den tiefgreifenden Wandel der Branche erleben.

Im Ergebnis zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Viele Beschäftigte fühlten sich zunächst vergleichsweise sicher, zugleich wächst die Unsicherheit mit Blick auf Konzernumbau, den internationalen Wettbewerb und die Zukunft des Verbrennungsmotors.

In den Interviews wird deutlich, dass die Belegschaft über großes Fachwissen verfügt, sich in politischen und unternehmerischen Transformationsprozessen jedoch oft nicht ernst genommen fühlt. Skepsis gegenüber E-Mobilität bedeutet dabei nicht automatisch Ablehnung von Klimaschutz. Vielmehr wünschen sich viele Beschäftigte realistische Perspektiven, Technologieoffenheit, Planungssicherheit und mehr Mitsprache. Hinzu kommen eine starke regionale Heimatverbundenheit, ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden sowie hohe Erwartungen an Betriebsrat und Gewerkschaften.

Die Studie identifiziert zwei zentrale Angelpunkte im regionalen Transformationsprozess: Trotz vorhandener Fachexpertise fühlen sich die Beschäftigten von den Entscheidern übergangen und im Umbau nicht gehört – ein Mangel an Anerkennung, der als persönlicher Ehrverlust erlebt wird und die eigentlich vorhandene Sicherheit am Standort trübt. Ein starkes Heimatgefühl, das für die Belegschaft Vorrang vor der Konzernloyalität hat und selbst finanzielle Nachteile in Kauf nimmt, sowie das tiefe Empfinden, nicht wertgeschätzt zu werden.

Die Untersuchung macht deutlich: Der Umbau der Industrie kann nur gelingen, wenn Beschäftigte nicht nur betroffen sind, sondern als Expertinnen und Experten der Transformation anerkannt und einbezogen werden.

Hier geht es zur Studie

Bei Nachfragen oder Gesprächsbedarf zur Studie kommt gerne auf uns zu:

Marcus Galle (marcus.galledon't want spam(at)igmetall.de oder 0160 9358 4859)

Daniel Menning (daniel.menningdon't want spam(at)igmetall.de oder 0151 6767 9768)

 

 

Von: dm

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