07.03.2026 | Vor dem Internationalen Frauentag am 8. März hat die IG Metall Chemnitz bereits am Freitag zu einem besonderen Kinoabend ins Gewerkschaftshaus eingeladen. Gemeinsam sahen 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“. Der Film erzählt von dem historischen Protest von Frauen, der in Island bis heute nachwirkt.
Als Island für einen Tag stillstand
Zur Einführung erinnerte Gewerkschaftssekretärin Beate Krämer an die Hintergründe des Films. Der 24. Oktober 1975 gilt als ein Wendepunkt der isländischen Gleichstellungsgeschichte. An diesem Tag legten rund 90 Prozent der Frauen ihre Arbeit nieder, nicht nur in Betrieben und Büros, sondern auch zu Hause. Organisiert wurde der Protest als „Frauenruhetag“, auf isländisch Kvennafrídagurinn. Was zunächst wie ein symbolischer Aktionstag klingt, hatte spürbare Konsequenzen. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen. Selbst der Flugverkehr war teilweise betroffen.
Der Film macht deutlich, warum dieser Schritt notwendig erschien. Frauen verdienten damals im Einzelhandel bis zu 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Politisch waren sie kaum vertreten: Obwohl Frauen in Island bereits seit 1915 wählen durften, lag ihr Anteil im Parlament 1975 gerade einmal bei fünf Prozent. Gleichzeitig trugen sie den größten Teil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit, eine Belastung, die gesellschaftlich oft übersehen wurde.
Als die Frauen ihre Arbeit niederlegten, wurde plötzlich sichtbar, wie sehr der Alltag auf ihrer Arbeit beruhte. Viele Männer standen vor Aufgaben, die sonst im Hintergrund erledigt wurden: Kinder betreuen, den Haushalt organisieren, den Tag strukturieren..
Parallelen zur Situation in Deutschland
In ihrer Einführung schlug Beate Krämer, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Chemnitz, den Bogen zur Gegenwart. Vieles habe sich seit den 1970er Jahren verändert, sagte sie, doch einige zentrale Fragen seien weiterhin ungelöst. So liegt der Frauenanteil im Deutschen Bundestag heute bei 32,4 Prozent. Ein Fortschritt gegenüber früheren Jahrzehnten, aber noch immer weit entfernt von echter Parität.
Auch wirtschaftlich bestehen Unterschiede fort. Der Gender Pay Gap beträgt aktuell rund 16 Prozent. Noch deutlicher fällt der sogenannte Gender Care Gap aus: Frauen leisten im Durchschnitt täglich 43,4 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer, sei es in der Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen oder in der Organisation des Alltags. Arbeit, die unverzichtbar ist. Und doch häufig unsichtbar bleibt.
Filmabend mit Raum für Austausch
Der Kinoabend im Chemnitzer Gewerkschaftshaus bot deshalb mehr als nur eine Filmvorführung. Nach dem Abspann wurde diskutiert, Erfahrungen wurden ausgetauscht, Perspektiven verglichen. Der Blick zurück nach Island öffnete dabei auch den Blick nach vorn. Denn der Frauenstreik von 1975 gilt heute als ein wichtiger Impuls für gesellschaftliche Veränderungen in Island. Er hat Debatten angestoßen, politische Reformen beschleunigt und gezeigt, welche Wirkung kollektives Handeln entfalten kann.
Am Ende des Abends fasste Beate Krämer diese Erfahrung in einem Satz zusammen: „Auch heute sind die Themen noch aktuell. Der Film zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Frauen sich organisieren und zusammenstehen.“
Für die IG Metall Chemnitz bleibt ein klarer Auftrag. Gleichstellung ist kein Randthema und schon gar kein „Nice-to-have“. Sie ist eine Frage von Gerechtigkeit: im Betrieb, in der Gesellschaft und im Alltag.