Parlament der Arbeit

Delegierte diskutieren über Angriffe auf Tarifverträge und Arbeitsplätze

30.09.2026 | Am 30. September diskutierten die Delegierten der IG Metall Chemnitz über die zunehmenden Angriffe auf Tarifverträge, Arbeitsplätze und industrielle Standorte. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen der kommenden Wochen und Monate sowie die Frage, wie Beschäftigte gemeinsam für eine gerechte Arbeitswelt und eine sichere Zukunft eintreten können. Als Gast begrüßten sie Henning Homann, Fraktionsvorsitzender der SPD im sächsischen Landtag.

Delegiertenversammlung am 30. September 2026 - Alle Fotos: IG Metall

Henning Homann, Fraktionsvorsitzender der SPD im sächsischen Landtag

Bezirksjugendsekretär Jakob Heidenreich und Philip Salomon, Jugendsekretär IG Metall Chemnitz

Paul Weimer und Hannes Guddat - neu im Team der IG Metall Chemnitz

„Vor der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie erleben wir eine Situation, in der viele Unternehmen und Konzerne bestehende Standards infrage stellen. Die Angriffe der Automobilkonzerne wie Volkswagen sind härter als das, was wir aus vergangenen Tarifrunden kennen“, so Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz. Er berichtete von den Entwicklungen bei Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sowie von den Auswirkungen auf die Region und die zahlreichen Zulieferbetriebe. Die Beschäftigten stünden vor großen Herausforderungen: Unsicherheit über Investitionen, Transformationsdruck, Standortdebatten und der Versuch einiger Arbeitgeber, die Kosten einseitig auf die Belegschaften abzuwälzen.

Besonders alarmierend war die Nachricht, die die Delegierten kurz vor ihrer Sitzung erreichte: Volkswagen hat nahezu alle bestehenden Tarifverträge gekündigt. „Das ist ein beispielloser Angriff auf tarifliche Standards und die Sicherheit der Beschäftigten. Damit verschärft sich die Situation erheblich. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die kommenden Wochen konfliktorientiert verlaufen werden“, erklärte Kruppa. Gerade deshalb komme der bevorstehenden Tarifrunde und der Mobilisierung der Beschäftigten eine besondere Bedeutung zu. „Wer Tarifverträge infrage stellt, legt die Axt an das Fundament guter Arbeit. Darauf werden wir als IG Metall entschlossen reagieren.“

Dass die Menschen bereit sind, sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen, zeigte sich in den vergangenen Wochen deutlich. Am vergangenen Samstag gingen in 15 Städten rund 175.000 Menschen auf die Straße, um ein Zeichen für soziale Sicherheit und gegen Angriffe auf den Sozialstaat zu setzen. „Mit dem Aktionstag Automobil, den bundesweiten Demonstrationen und der bevorstehenden Tarifrunde machen wir deutlich: Wer Arbeitsplätze, Tarifverträge und soziale Sicherheit angreift, wird auf unseren Widerstand treffen. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der Industrie und der Arbeit“, betonte Kruppa.

Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde warben die Delegierten für eine breite Beteiligung an den kommenden Aktionen. Bereits am 14. Oktober findet in Chemnitz die erste Tarifverhandlung für Sachsen in der Metall- und Elektroindustrie statt. „Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Es geht um die Verteidigung von Tarifstandards, um sichere Arbeitsplätze und um die Zukunft unserer Industriestandorte. Nach den jüngsten Ankündigungen von Volkswagen müssen wir uns auf harte Auseinandersetzungen einstellen. Dafür brauchen wir sichtbare Unterstützung, starke Beteiligung und eine klare Haltung der Beschäftigten“, so Kruppa. Er rief dazu auf, sich an den geplanten Aktionen rund um die Tarifverhandlung zu beteiligen und gemeinsam ein kraftvolles Zeichen zu setzen.

Dass sich Engagement und Zusammenhalt auszahlen, zeigen aktuelle Beispiele aus der Region. Die Delegierten blickten auf die erfolgreiche Tarif- und Standortbewegung bei Flender zurück. „Von der drohenden Schließung zu einer Zukunftsperspektive – so lässt sich die Entwicklung beschreiben“, sagte Kruppa. Auch bei Feintool, ACPS und Scherdel Feinschneidtechnik konnten durch das gemeinsame Engagement der Beschäftigten wichtige tarifliche Erfolge erzielt werden.

Zum Abschluss wurde deutlich: Die kommenden Wochen werden für viele Betriebe der Region entscheidend sein. Angriffe auf Tarifverträge, Unsicherheit über Arbeitsplätze und Standorte sowie die anstehende Tarifrunde erfordern Zusammenhalt und Entschlossenheit. Die Delegierten machten deutlich, dass sie sich auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen einstellen und gemeinsam für gute Arbeit, sichere Beschäftigung und starke Tarifverträge eintreten werden.

Henning Homann, Fraktionsvorsitzender der SPD im sächsischen Landtag, bedankte sich für die Einladung und tauschte sich mit den Delegierten über die Lage und Zukunft der Industrie und die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens aus. „Der Aktionstag Automobilindustrie ist ein glasklares Zeichen an die Konzernzentralen und auch an die Politik, dass die Beschäftigten erwarten, dass Lösungsvorschläge und Perspektiven vorgelegt werden. Das pauschale Schließen von Werken ist keine Strategie und deshalb ist es wichtig, dass jetzt mit den Beschäftigten gemeinsam nach Lösungen gesucht wird“, so Henning Homann, Fraktionsvorsitzender der SPD im sächsischen Landtag.

Jakob Heidenreich, Bezirksjugendsekretär der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, berichtete über aktuelle Themen der gewerkschaftlichen Jugend- und Bildungsarbeit.

Von: ek-aw

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