20.05.2026 | Aus dem ganzen Bundesgebiet kamen rund 1.000 IAV-Kolleginnen und Kollegen nach Gifhorn, um Druck zu machen. Für sichere Arbeitsplätze, für ein tragfähiges Zukunftskonzept, gegen den Kahlschlag bei Beschäftigung und Standorten. Mit dabei war auch eine Delegation von 50 Kolleginnen und Kollegen in Sachsen.
Zum 13. Mal in Folge versammelten sich IAV-Beschäftigte zum Tarif TuEsDay am Gifhorner Standort des Entwicklungsdienstleisters. Diesmal reisten Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet – darunter aus Sachsen, Süddeutschland und aus Berlin – in den niedersächsischen Osten gereist. Insgesamt versammelten sich am Dienstagmittag rund 1.000 Beschäftigte auf dem Parkplatz an der Rockwellstraße. Die Botschaft war eindeutig: Die Belegschaft steht zusammen, lässt sich nicht spalten und fordert ein tragfähiges Zukunftskonzept.
Anfang Mai hatte die IAV-Geschäftsführung ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das die IG Metall und die Betriebsräte als Kahlschlag bezeichnen: Bis zu 1.400 Arbeitsplätze sollen bis Mitte 2027 abgebaut werden. Der Berliner Standort mit rund 1.250 Beschäftigten soll zum 30. Juni 2027 vollständig geschlossen werden. Tätigkeiten sollen ins Ausland verlagert werden. Dazu kommen geplante Eingriffe in bestehende Tarifstandards bei Entgelt, Arbeitszeit und Urlaub – eine gravierende Schlechterstellung der gesamten Belegschaft.
"Die gemeinsame Anreise hat gezeigt: Solidarität kennt keine Entfernung. Die sächsischen Beschäftigten haben mit ihrer Präsenz ein starkes Zeichen gesetzt. Wir treten gemeinsam ein für Respekt, Zusammenhalt und gute Arbeit", so Tobias Jurk, Vertrauenskörperleiter bei IAV in Stollberg.
"Wir sind heute mit 50 Kolleginnen und Kollegen von IAV in Sachsen nach Gifhorn gefahren, um ein Zeichen gegen Schließung und die vom Arbeitgeber geplanten Strukturmaßnahmen zu setzen", so Beate Krämer, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Chemnitz. "Ein Kollege hat es gut formuliert: Die Pläne der Arbeitgeber sind nicht nur ein Sägen am Ast, sondern die Gefahr ist, dass der ganze Baum fällt."
Den Berliner Beschäftigten bietet die Geschäftsführung einen Wechsel nach Gifhorn an. Für die IG Metall ist das keine ernsthafte Option: Wer Familie hat, wer pflegt, wer seit Jahren in Berlin verwurzelt ist, kann nicht einfach umziehen. Ein Arbeitsplatz lässt sich nicht per Anweisung an einen anderen Ort verschieben.
Hinzu kommt: Die IAV-Belegschaft hat in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht. Im Rahmen eines Zukunftssicherungstarifvertrags wurde auf Vergütung in zweistelliger Millionenhöhe verzichtet – verbunden mit klaren Versprechen der Geschäftsführung über neue Aufträge und Investitionen. Diese Versprechen wurden nicht eingehalten. Jetzt sollen die Beschäftigten erneut die Zeche zahlen.
„Die Belegschaft bei IAV hat in der Vergangenheit immer wieder Verantwortung übernommen, Verzicht geleistet und auf die Zusagen der Geschäftsführung vertraut. Jetzt kommt das nächste Abbauprogramm. Das ist kein Zukunftskonzept – das ist ein Vertrauensbruch. Gifhorn ist heute der Ort, an dem die Beschäftigte aus ganz Deutschland gemeinsam Flagge zeigen. Zukunft baut man nicht mit der Abrissbirne, sondern gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen aller Standorte!“, so Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen: „Solidarisch und über alle Standorte hinweg stellen sich die IAV-Kolleginnen und -Kollegen gegen die Kahlschlagspläne der Geschäftsführung. Das Management muss jetzt ein echtes Zukunftskonzept vorlegen, um die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. IAV bringt alle Voraussetzungen mit, um eine tragende Rolle in der Transformation der Autoindustrie einzunehmen. Die Schließung des Stammsitzes Berlin oder anderer Standorte werden wir nicht hinnehmen.“
Die IG Metall macht deutlich, dass sie Verhandlungen nicht verweigert. Voraussetzung ist jedoch, dass die Geschäftsführung endlich ein belastbares Zukunftskonzept vorlegt – mit konkreten Investitionen, realistischen Perspektiven für alle Standorte und dem Verzicht auf einseitige Eingriffe in Tarifverträge. Einseitige Diktate sind keine Verhandlungsgrundlage.
Der 13. Tarif Tuesday ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Belegschaft geschlossen bleibt – standortübergreifend und gewerkschaftlich organisiert. Sollte die Geschäftsführung der IAV von diesem Rabiatkurs nicht abweichen, wird der Protest intensiver fortgeführt. Deutschlandweit arbeiten rund 6.400 Beschäftigte für den Entwicklungsdienstleister, rund 2.500 davon in Gifhorn sowie rund 1.250 in Berlin. Neben den Entwicklungszentren in der Hauptstadt, in Gifhorn und in Sachsen verfügt die IAV über weitere Standorte in Süddeutschland sowie in Europa und Asien, Nord- und Südamerika.
Berichterstattung zu IAV:
MDR, Hörfunkbeitrag, 3.17 Min., 26. Mai, 5.00 Uhr