18.09.2025 | Am frühen Abend füllte sich der Platz vor dem Rathaus in Chemnitz. Beschäftigte von thyssenkrupp Automation Engineering protestierten gemeinsam mit Familienangehörigen, Beschäftigten von Zuliefererbetrieben und solidarischen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern aus der Region auf dem Neumarkt. Gemeinsam forderten sie den Erhalt ihres Standorts und ihrer Arbeitsplätze.
Die Belegschaft von thyssenkrupp Automation Engineering hat in den vergangenen Jahren erfolgreich Anlagen für die Batteriemontage für die Automobilindustrie entwickelt, aufgebaut und die Inbetriebnahme begleitet. Beispielsweise wurde bis März 2025 eine Montage-Anlage für den Zusammenbau von Batterien an BMW Leipzig geliefert.
Derzeit fehlen Großaufträge, denn deutsche Automobilhersteller und Zuliefererbetriebe halten ihre Investitionen zurück, da der Markt der Elektroautos kriselt.Deutsche OEMs wie BMW, VW und Mercedes haben in der jüngsten Zeit verstärkt Aufträge für Batteriemontageanlagen ins Ausland vergeben.
Zuletzt hatte BASF ein gemeinsames Projekt für Containerlösungen von Batteriespeichern plötzlich aufgekündigt. BASF wird die gesamte Sparte im Unternehmen einstellen. Damit ist ein Zukunftsprojekt gestoppt worden, das enorm wichtig wäre für die erneuerbaren Energien. Schließlich kann hier überschüssige Energie gespeichert werden, um Dunkelflauten zu meistern.
„Hochqualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln hier in der Chemnitzer Region Zukunftstechnologien, die wir in Zukunft brauchen werden“, so Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz. „Wir fordern den Aufsichtsrat von thyssenkrupp Automation Engineering auf, gemeinsam mit allen Akteuren nach Lösungen zu suchen,um den Standort und die Arbeitsplätze zu erhalten. Die Beschäftigten haben in den letzten Jahren Sparprogramme und Stellenabbau mitgetragen. Jetzt kann dasUnternehmen beweisen, dass es in Nachhaltigkeit investiert und gute Fachkräfte für Zukunftsprojekte in der Region hält.“
„Wir erleben gerade die größte Krise von thyssenkrupp Automation Engineering in der 142-jährigen Standortgeschichte. Gründe dafür sind extremer Wettbewerbsdruck aus China, ein zu schneller Ausstieg aus der Förderung der Elektromobilität und eine an vielen Stellen verfehlte Industriepolitik. Wir erwarten jetzt Entschlossenheit undUnternehmergeist vom Management und von der Politik für Arbeitsplätze in Deutschland!“, berichtet Marcus Bochmann, Betriebsratsvorsitzender bei thyssenkrupp Automation Engineering. „Wir Beschäftigten haben schon zum zweiten Mal eine Transformation in eine Zukunftstechnologie erlebt. Nach 2015 ging es mit Vollgas in die Elektromobilität,zurzeit findet der Wandel hin zu Energiespeichersystemen statt. Wir beweisen täglich, dass wir Herausforderungen meistern können und erwarten jetzt auch Mut vom Unternehmen.“
Hintergrund:
thyssenkrupp gibt es seit 1991 in der Region. Das Unternehmen ging aus dem VEB IFA-Ingenieurbetrieb Hohenstein-Ernstthal hervor. Nachdem in den ersten Jahren der Schwerpunkt bei Anlagen für den Karosseriebau lag, folgten 2015 Montagelinien und Testsysteme für Elektroantriebe sowie Modulmontagelinien für Batteriesysteme. Um diese größeren Anlagen aufbauen zu können, wurde 2019 eine Produktionshalle in Chemnitz angemietet. Dort arbeiten rund 180 Beschäftigte und in Hohenstein-Ernstthal 90 Beschäftigte.
Berichterstattung:
MDR Sachsenspiegel, 18. September 2025, ab Minute 5:50
Sachsen Fernsehen, 18. September 2025, ab Minute 16:15
Sachsen Fernsehen, 19. September 2025, ab Minute 13:00
Freie Presse, 18. September 2025 - mit Bezahlschranke
Welt.de, 18. September 2025 (dpa)
Stern.de, 18. September 2025 (dpa)
Radio Chemnitz, 18. September 2025 (mit O-Ton Eddie Kruppa) - ohne Aufzeichnung
Radio PSR, 18. September 2025 (mit O-Ton Eddie Kruppa) - ohne Aufzeichnung
MDR, 18. September 2025 (mit O-Ton Ingo Hanemann) - ohne Aufzeichnung