12.05.2026 | Die Pläne des Automobilzulieferers IAV für einen weiteren Stellenabbau und das Aus für den Standort Berlin mit 1.250 Beschäftigten stoßen auf erbitterten Widerstand der IG Metall. Das Unternehmen hatte am 6. Mai mitgeteilt, dass das Betriebsgelände in Berlin "bis spätestens 2027" veräußert werde, da die Wertschöpfung "an den Standorten Gifhorn und Stollberg fokussiert werden" solle. Mit einer Aktion wurde am 12. Mai in Stollberg der Widerstand sichtbar.
Ein weiterer Abbau von 1.400 Arbeitsplätzen bundesweit sei geplant, "um Überkapazitäten abzubauen und die Organisation an veränderte Marktbedingungen anzupassen", so das Management von IAV gegenüber Medien. Die Beschäftigten könnten nach Gifhorn in Niedersachsen wechseln, hieß es. Zudem beabsichtigt das Management einen Einschnitt in tarifliche Leistungen.
„Lange hat die IAV-Geschäftsführung die Belegschaft und die IG Metall über ihre wahren Absichten getäuscht. Jetzt ist klar: Das Management hat keinen Plan und keine Idee, um das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen. Das ist kein Zukunftskonzept, sondern ein brutaler und verantwortungsloser Kahlschlag“, so Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Statt eine Strategie für eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze vorzulegen, setzt die Geschäftsführung die Axt an. Dies wird auf massiven Widerstand der IG Metall und der Beschäftigten stoßen. Die verschärften Abbaupläne von IAV sind völlig verantwortungslos. Eine Schließung des Stammsitzes Berlin werden wir nicht hinnehmen.“
Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz, sagte gegenüber Medien, dass zumindest eine direkte Standortschließung der IAV in Stollberg kein Thema mehr zu sein scheine. Allerdings arbeiten die Fachkräfte bei IAV standortübergreifend in Teams: „Wenn ein Teil herausgerissen wird, ist die operative Handlungsfähigkeit in Gefahr.“ Und weiter: „Die Abbaupläne treffen alle Standorte in Deutschland, auch Stollberg in Sachsen. Die Kolleginnen und Kollegen werden sich gemeinsam und solidarisch dagegenstellen. Der Standort Stollberg verfügt über enormes Potenzial, um die Transformation der südwestsächsischen Industrie aktiv mitzugestalten und neue Kompetenzfelder für die regionale Wirtschaft zu erschließen. Gerade deshalb passt die Entscheidung zum Personalabbau nicht zu den Chancen, die hier vor uns liegen. IAV hat alle Voraussetzungen, eine tragende Rolle in der regionalen Transformation zu übernehmen. Dieses Potenzial gilt es zu stärken und nicht zu schwächen.“
Für Unmut sorgt ein Forderungspapier des Unternehmens. Es entstehe der Eindruck, dass damit das Ende der deutschen Standorte eingeläutet werden solle: „Das ist kein Zukunftskonzept, das ist ein Abwicklungspapier.“
Ingo Lath, Betriebsratsvorsitzender bei IAV in Stollberg, berichtet, dass die Beschäftigten in Stollberg schockiert seien. „Das Forderungspapier hat aus meiner Sicht auf lange Sicht das Ziel, Kolleginnen und Kollegen aus dem Unternehmen zu drängen und die systematische Verlagerung von Ingenieurswissen und hochprofessioneller Wertschöpfung in sogenannte Best Cost Countries.“
Er wies darauf hin, dass die gut ausgelasteten Labore und Testinfrastruktur in der Vergangenheit von der EU gefördert worden seien: „Es kann nicht im Sinne des Steuerzahlers sein, dass man das abwickelt und Wissensträger abwandern lässt.“ Stattdessen solle das Unternehmen auf Vorschläge der Belegschaft hören, etwa zu Energiewirtschaft oder Weltraumforschung.
„Wir werden um IAV kämpfen. Auch die Beschäftigten bei IAV in Stollberg sorgen sich um einen weiteren Stellenabbau. Nach vielen Monaten Stillstand in den laufenden Verhandlungen zwischen IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsführung, konnte die Geschäftsführung bis letzte Woche kein Konzept über die strategische Ausrichtung und die Arbeitsplätze des Unternehmens vorlegen", so Ingo Lath. "In der letzten Woche dann legte man uns einen „alternativlosen“ Plan vor, der die Schließung des Standortes Berlin, den Abbau von 1400 Stellen Deutschlandweit und massive Einschnitte bei den Leistungen und Arbeitsbedingungen, bis hin zu willkürlichen Disziplinarmaßnahmen gegen die Beschäftigten vorsieht.“