IG Metall Chemnitz
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17.10.2017, 05:10 Uhr

Tarifkommission bei Bharat Forge Aluminiumtechnik in Brand-Erbisdorf gewählt

Ende der Geduld

  • 24.07.2017
  • Aktuelles, Betriebsräte / Vertrauensleute, Bildergalerie

Es ist schönes Wetter an diesem Samstag, 14 Uhr, und es ist voll im Speisesaal von Bharat Forge Aluminiumtechnik in Brand-Erbisdorf. Die letzten IG Metaller eilen nach ihrer Schicht aus der Dusche auf die noch freien Plätze. Das Thema, die Wahl einer Tarifkommission, die mit der IG Metall für faire und gerechte Bezahlung im Werk sorgen soll, bewegt sie alle.

IG Metall und Betriebsräte für tarifliche Bezahlung in Brand-Erbisdorf: Ingo Hanemann, Klaus Nagel, André Krellmann (hinten), Uwe Hellwig, Mike Römmler, Ronald Sieber (vorn)

Grillen können sie später. Jetzt stimmen sie ab über die acht Kollegen und eine Kollegin. Alle Hände gehen nach oben. Einstimmig. Stolz und Stille liegen in der Luft.

Unglaublich findet das Ronald Sieber. Der Betriebsratsvorsitzende denkt zwei Jahre zurück. Da hatten sie sehnsüchtig, jedoch mit einem großen Aber im Sinn, auf die Kolleginnen und Kollegen des benachbarten Bahntechnik-Betriebs geschaut, wenn diese zu den Tarifrunden der IG Metall mit Fahnen und Transparenten selbstbewusst für ihre Forderungen vors Tor zogen. "Das könnt Ihr auch", ermutigte sie der dortige Betriebsratsvorsitzende Klaus Nagel. Immer wieder. "Mehrere unserer Anläufe waren schon im Sande verlaufen", sagt Ronald Siebert. Nachdem sich mit einer neuen Geschäftsführung beim Entgelt gar nichts mehr bewegte, sprach er die IG Metall Chemnitz an.

"Wir wollten keine Niedriglohn-Konkurrenz zu unseren Kollegen in Ennepetal sein. Unsere Produkte werden in Autos mit Rang und Namen verbaut. Dafür wollen wir eine ordentliche Eingruppierung und Tariflohn", so Sieber. Seit Ende 2016 geht es vorwärts. Für einige nicht schnell genug, aber nachhaltig. "Die Zahl der IG Metall- Mitglieder hat sich seitdem vervielfacht. Die Erkenntnis, dass bessere und tarifliche Bezahlung nur mit einer starken Gemeinschaft durchgesetzt werden kann, hat den Weg frei gemacht, um zu einem Tarifvertrag zu gelangen", berichtet Ingo Hanemann, der Bharat Forge im Rahmen eines Projekts zur Mitgliederentwicklung begleitet.

Schon bald wollen Tarifkommission und IG Metall der Geschäftsführung des indischen Weltkonzerns in Brand-Erbisdorf ihre Forderungen präsentieren. Abgekoppelt vom Flächentarif liegen die Entgelte hier bei 11,70 Euro - deutlich hinter der Bahntechnik, die einst bei rund 80 Prozent von der Fläche startete und dann stufenweise auf das Niveau herangeführt wurde. "Es geht jetzt um unser Geld, unsere Rente, unsere Kinder", bringt es Ronald Sieber auf den Punkt. "Wir müssen uns auf einen langen und harten Kampf einstellen, bei dem es vielleicht auch Rückschläge gibt. Aber wenn eine Belegschaft wirklich will, bekommt sie einen Tarifvertrag. Dafür stehen wir", sagt der Chemnitzer IG Metall-Bevollmächtigte Mario John. In seinem Bereich ringen derzeit acht weitere Belegschaften um Anerkennungstarifverträge.


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